Pflegekräfte bekommen zu wenig gesellschaftliche Anerkennung - aber warum ist das so?

ON7 Redaktion
3 Min. Lesezeit
09.12.2025
Banner zum Blogartikel Pflegekräfte bekommen zu wenig gesellschaftliche Anerkennung - aber warum ist das so?

Der Widerspruch: systemrelevant und trotzdem übersehen

Spätestens seit der Pandemie weiß jeder, wie wichtig Pflege ist. Und trotzdem zeigt fast jede Erhebung: Pflegekräfte fühlen sich gesellschaftlich nicht wertgeschätzt. Rund 80 Prozent der Pflegenden geben an, dass ihre Arbeit zu wenig gesellschaftliche Anerkennung findet (Quelle: DBfK, 2023). Sie tragen Verantwortung für Menschenleben, arbeiten körperlich und emotional am Limit - und erleben dennoch, dass ihr Beruf häufig auf „helfen“ reduziert wird, nicht auf professionelle Expertise. Warum ist das so? Warum wird ein anspruchsvoller Gesundheitsberuf so wenig respektiert?

Die historische Falle

Einer der tiefsten Gründe liegt in der Geschichte. Pflege wurde über Jahrhunderte als unbezahlte Sorgearbeit weiblich konnotiert. Bis heute sind rund 75 Prozent der beruflich Pflegenden Frauen (Quelle: Statistisches Bundesamt, 2024). Wissenschaftliche Analysen zeigen: Sektoren mit hohem Frauenanteil erhalten gesellschaftlich weniger ökonomische und politische Wertschätzung, unabhängig vom Qualifikationsniveau (Quelle: OECD Gender Workforce Report, 2023). So entsteht bis heute das Bild, Pflege sei „sozial“, aber nicht hochprofessionell.

Unsichtbare Arbeit: Pflege sieht man nur, wenn sie fehlt

Pflege findet im Hintergrund statt - in Heimen, Kliniken, Privathaushalten. Sie schafft keine sichtbaren Produkte, keine Schlagzeilen. Das Problem: Unsichtbare Arbeit wird in modernen Gesellschaften weniger geschätzt. Erst wenn Stationen schließen, Angehörige überfordert sind oder Personal fehlt, wird sichtbar, wie unverzichtbar Pflege tatsächlich ist. Diese unsichtbare Systemrelevanz trägt entscheidend zum Anerkennungsproblem bei.

Überlastung verzerrt das Bild

Pflegekräfte sind seit Jahren strukturell überlastet: zu wenig Zeit, zu wenig Personal, zu hohe Anforderungen. Laut einer Untersuchung der Hans-Böckler-Stiftung fühlen sich über 60 Prozent der Pflegekräfte dauerhaft erschöpft oder emotional ausgelaugt (Quelle: Hans-Böckler-Stiftung, 2023). Diese Überlastung bestimmt das Bild der Pflege in der Öffentlichkeit. Menschen sehen gestresste Pflegende, nicht die dahinterliegende strukturelle Notlage. So entsteht ein negatives Fremdbild, das der tatsächlichen Professionalität des Berufs nicht gerecht wird.

Medien verstärken Klischees

In Filmen und Nachrichten werden Pflegende oft als „helfende Hände“ dargestellt - mit Fokus auf Waschen, Essen reichen, Betten machen. Die Realität ist eine andere: Die generalistische Pflegeausbildung umfasst medizinische Diagnostik, Pharmakologie, Psychologie, Kommunikation, rechtliche Verantwortung und komplexe Handlungskompetenzen. Doch dieser professionelle Kern kommt in der medialen Darstellung kaum vor. Studien zeigen, dass die öffentliche Wahrnehmung dadurch verzerrt wird und Pflegeberufe unter ihrem Qualifikationsniveau wahrgenommen werden (Quelle: Deutscher Pflegerat, 2022).

Interkulturelle Perspektive: Warum internationale Pflegekräfte es besonders schwer haben

Internationale Pflegekräfte berichten häufig, dass sie in ihren Herkunftsländern deutlich mehr gesellschaftlichen Respekt erfahren haben als in Deutschland. Der Grund liegt oft nicht im Beruf, sondern im System: Sprachbarrieren, Missverständnisse, Unsicherheiten im Team und Vorurteile gegenüber ausländischen Qualifikationen erschweren eine echte Anerkennung. Laut EU Agency for Fundamental Rights erleben internationale Pflegekräfte in Deutschland überdurchschnittlich häufig Diskriminierung und Respektlosigkeit (Quelle: EU-FRA, 2023). Wenn berufliches Können erst „bewiesen“ werden muss, statt anerkannt zu sein, entsteht ein zusätzlicher emotionaler Druck.

Was echte Anerkennung bedeuten würde

Anerkennung entsteht nicht durch Applaus, sondern durch Strukturen. Sie müsste sich zeigen in:

  • tarifgerechter Bezahlung
  • realistischen Personalschlüsseln
  • moderner Ausbildungsqualität
  • besserer Vereinbarkeit von Beruf und Familie
  • klaren Karrierewegen und Perspektiven
  • institutioneller Beteiligung der Pflege in politischen Prozessen

Solange diese Strukturen fehlen, bleibt Anerkennung abstrakt.

Die Rolle der Oncademy Care: Anerkennung durch Qualität und Kompetenz

Die Oncademy Care stärkt Pflege dort, wo Anerkennung beginnt: in der Ausbildung und im professionellen Selbstverständnis. Mit standardisierten digitalen Lehrplänen, Skills Labs für praktische Handlungssicherheit und intensiven Lernmodulen schafft sie Strukturen, die Pflegekräfte als hochkompetente Fachpersonen sichtbar machen. Durch methodische Vielfalt, Feedbackkultur und transparente Kompetenzentwicklung fördert die Oncademy Care ein Selbstbewusstsein, das im deutschen Pflegesystem oft fehlt. Anerkennung entsteht dort, wo Menschen spüren, dass ihr Beruf ernst genommen wird - fachlich, emotional und gesellschaftlich.

Pflege verdient Anerkennung - und zwar echte

Pflegekräfte sind essenziell für das Funktionieren unseres Gesundheitswesens. Dass sie zu wenig gesellschaftliche Anerkennung erhalten, ist kein individuelles Problem, sondern ein strukturelles. Historische Rollenbilder, unfaire Arbeitsbedingungen, politische Versäumnisse und verzerrte mediale Darstellungen tragen dazu bei. Wenn Deutschland Pflege stärken will, muss es die Berufsbilder modernisieren, die Strukturen verbessern und Pflege als Profession sichtbar machen. Anerkennung beginnt nicht auf dem Papier, sondern in der Haltung - und in Systemen, die Pflege endlich auf Augenhöhe behandeln.

↳ Link zum LinkedIn-Beitrag